Die Osteopathie ist eine ganzheitliche Medizin, die der Diagnose und Behandlung von Funktionsstörungen und Krankheiten dient. Die Diagnostik und Behandlung erfolgt mit den Händen. Der Osteopath arbeitet dabei auf den verschiedenen Gewebearten und -schichten des Patienten, mit den Knochen, Muskeln, Gelenken, den Organen oder Nervengewebe. Ebenso besteht die Möglichkeit die verschiedenen Flüssigkeiten des Körpers, das Blut, die Lymphe, Gehirnwasser und ihre Dynamik zu beeinflußen.
Ziel der Behandlung
Grundsätzlich ist das Ziel einer osteopathischen Behandlung nicht nur die Linderung der Beschwerden, sondern die Verbesserung der Gesundheit und die Wiederherstellung der Selbstregulation des Patienten. Somit steht die Behandlung der Ursache, nicht des Symptomes, soweit dies möglich ist, im Zentrum der Behandlung. Die Behandlung ist deshalb individuell für jeden Patienten.
Die Behandlung
Durch den unterschiedlich starken Druck seiner Hände kann der Osteopath auf die verschiedenen Gewebe eingehen. Mit diesem "Zuhören" spürt er die unwillkürlichen körpereigenen Bewegungen und Spannungsmuster auf und kann mit ihnen arbeiten. Oder besser ausgedrückt: Er lässt die eigenen vitalen Kräfte des Patienten arbeiten. Die Behandlung ist in der Regel sanft.
Im Körper eines Menschen sind häufig Kräfte, wie z.B. nach einem körperlichen Unfall oder nach einer seelischen Verletzung gespeichert, die nicht verarbeitet bzw. integriert werden konnten. Dabei sind körperliche Traumen immer mit emotionalen oder seelischen Erfahrungen verbunden. Dies kann man beispielsweise deutlich bei einem Kind sehen, das beim Spielen stürzt, sich dabei verletzt und danach in Tränen ausbricht und Schutz und Geborgenheit bei den Eltern sucht. Umgekehrt zeigen auch psychische Erfahrungen Einfluss auf das körperliche Verhalten, wie man z.B. an der veränderten Verdauung vor einer Prüfung oder dem körperlichen Kraftzuwachs in frischer Verliebtheit erkennen kann. Die ganzheitliche Sichtweise in der Osteopathie versucht diesem Wechselspiel gerecht zu werden. In der Praxis wird der Patient über die körperliche Annäherung bei der Integration unverarbeiteter Einflüsse und Kräfte unterstützt.
Vor der ersten Behandlung wird in einem Gespräch eine ausführliche Anamnese erstellt. Die anschließende Untersuchung geht dann direkt in die Behandlung über.
Die Ausbildung
Die Grundlage einer Osteopathieausbildung ist, ähnlich wie in der Schulmedizin, genaue Kenntnis der Anatomie, Embryologie und Physiologie. Diese medizinischen Disziplinen werden von einem ganzheitlichen Standpunkt aus betrachtet und gelernt.
Hinzu kommen spezifische osteopathische Untersuchungsmethoden und Techniken. Eine seriöse Ausbildung dauert mindestens vier Jahre, meist nebenberuflich. Vorraussetzung hierfür ist eine abgeschlossene Ausbildung als Heilpraktiker, Masseur mit Manueller Therapie als Zusatzqualifikation, Physiotherapeut oder Arzt. In Wiesbaden gibt es jedoch auch für Abiturienten die Möglichkeit einer fünfjährigen Vollzeitausbildung.

Wie bei einem Klavierspieler ist langjähriges Üben erforderlich, um die Hände zu schulen und zu sensibilisieren, um die Information aus den verschiedenen Geweben zu erhalten und um das Gespürte mit dem theoretischen Hintergrundwissen zusammenzufügen.